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Depressionen – Was ist das?

Jeder von uns kennt das, der Tag ist mehr als bescheiden gelaufen. Am Morgen sprang das Auto nicht an, der Chef hatte den ganzen Tag miese Laune und am Abend stellt sich noch heraus, dass das Auto einen kapitalen Motorschaden hat, der wieder mal das letzte Geld vom Konto verbrauchen wird.

Am Abend ruft die beste Freundin an und fragt, wie es geht. „Ach, ich habe heute einen Depressiven….“ lautet dann oft die Antwort. Man fühlt sich nicht gut, hat Sorgen und ist von dem ganzen Stress ziemlich erledigt. Ein Zustand, der sich nicht gut anfühlt…. Doch mit einer wirklichen Depression hat dies nur sehr wenig gemeinsam.

Können Sie sich vorstellen, dass sich der oben beschriebene Zustand mit dem Faktor 1000 multiplizieren lässt? Es ist für Jemanden, der dies nicht selbst erlebt hat, nicht oder nur sehr schwer vorstellbar. Aber genau so kann sich ein Depressiver fühlen! Es gibt Fälle, bei denen die Intensität weniger stark ist, aber auch welche, bei denen diese noch wesentlich stärker ist.

Hinzu kommen Angst bis hin zu Panikattacken, die sich alle drei Minuten wiederholen, das extrem starke Gefühl innerlich tot und total emotionslos zu sein, extreme Müdigkeit, die selbst den Gang ins Bad wie einen Marathonlauf erscheinen lässt. Permanente innere Unruhe und Getriebenheit, aber keine Kraft für Irgendwas. Gedanken, die monatelang um das selbe belanglose Thema kreisen und nicht zu stoppen sind. Tag und Nacht! Trotz totaler Erschöpfung schläft man extrem schlecht und außerdem kann es auf körperlicher Ebene zu einer Vielzahl weiterer Symptome kommen.

So schlecht kann sich Jemand fühlen, der an Depressionen leidet. Kein Vergleich mit unserem deprimierenden Tag vom Anfang… Und das ist nur eine ziemlich grobe Beschreibung des Erleben eines Depressiven. Dies genauer zu beschreiben ist nicht möglich, denn es gibt in der deutschen Sprache einfach keine Wörter dafür.

Das besonders Hinterhältige bei dieser Erkrankung ist, dass die Symptome nicht alle auf einmal auftreten, sondern sich nach und nach in das Leben des Depressiven schleichen. In den meisten Fällen bemerkt es der Kranke nicht mal, denn es gibt besonders am Anfang der Erkrankung lange Phasen, in denen es einem gut geht. Man kann sich das wie eine Kurve mit Ausschlägen nach oben unten, aber stetig fallender Amplitude vorstellen, die letzten Endes auf den totalen Nullpunkt zu läuft. Wie in folgender Grafik deutlich wird.

Verlauf einer Depression

Verlauf einer Depression ©André Hoek

Die individuellen Verläufe können von diesem Beispiel auch stark abweichen und die Zeiträume auch länger und kürzer sein. Aber das Ende und der ungefähre Verlauf sind in der Regel gleich.

Eine Depression muss sich aber nicht zwingend in extremer Niedergeschlagenheit äußern. Ein Depressiver, in einer manischen Phase, ist das genaue Gegenteil dessen, was man sich landläufig darunter vorstellt. Er sprüht nur so vor Ideen, Kreativität, Elan und Energie. Ist witzig und humorvoll und hat insgesamt alle Eigenschaften, die von der Gesellschaft als positiv bewertet werden. Dabei sollte man sich hüten, die Krankheit als positiv zu werten, denn genau in dieser manischen Phase bringen sich viele Depressive, wegen des gesteigerten Antriebs, um.

Ebenso kann sich eine Depression hinter verschiedenen, körperlichen Symptomen verbergen, die oftmals so massiv sind, dass Niemand an eine Depression denkt. Selbst manche Haus-Ärzte nicht. Aber auch ganz normale Depressionssymptome werden von vielen Ärzten einfach nicht erkannt.

Wenn Sie sich in letzter Zeit besonders müde und schlapp fühlen, oft gereizt sind, die Welt als grau und leer empfinden, schlecht schlafen und alles als sinnlos ansehen, oder sonst irgendwelche Auffälligkeiten an sich bemerken, deren Ursache in einer Depression liegen könnte, sprechen Sie diesen Sachverhalt auch offen beim Arzt an.

Keine Bange! Man sperrt Sie dann nicht zu den Irren… Es gibt inzwischen sehr gute Medikamente und verschiedene Therapien gegen Depressionen, die alle sehr gut helfen.
In den allermeisten Fällen kann eine Depression innerhalb von wenigen Wochen oder vielleicht auch Monaten geheilt werden. Und Diejenigen, die nicht geheilt werden, können mit Hilfe von Medikamenten, wieder weitestgehend ihr altes Leben aufnehmen.

Und haben Sie keine Scham! Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass 20 bis 25 Prozent aller Deutschen mindestens einmal im Leben von einer Depression betroffen sind. Die Krankheit ist also weiter verbreitet als man allgemein glaubt, doch leider sind die gesellschaftlichen Dogmen noch immer so, dass man über Depressionen nicht spricht.

Doch springen Sie über Ihren Schatten! Für eine Depression kann man genau so wenig, wie für einen entzündeten Blinddarm. Sie sind weder geisteskrank noch auf dem Weg dahin und mit der richtigen Behandlung ganz schnell wieder die oder der Alte. Versprochen!

Autor: André Hoek

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