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Burnout – Auf dem Weg in die Depression

In einigen Kreisen unserer modernen Gesellschaft, zum Beispiel bei Bankern oder Managern, kann man folgende Dialoge in dieser oder abgewandelter Form hören: „Der da hatte noch keinen Burnout oder Herzinfarkt und das in seinem Alter! Da kann es mit seinem Engagement aber nicht weit her sein.“ Ein Burnout ist hier so etwas wie ein Adelsschlag. Man gehört dazu! Außerdem wird Leistung honoriert. Man wird schneller befördert, verdient mehr….

Aber auch in jedem anderen Beruf oder bei pflegenden Angehörigen, alleinerziehenden Müttern und noch bei vielen anderen Gruppen kann es es zu einem Burnout kommen. Das Schlimme an der Situation ist, dass weite Teile der Bevölkerung den Burnout noch immer als etwas halbwegs Positives ansehen. Man hat Verständnis für Jemanden, der unter einer Überlastungssituation zusammengebrochen ist. Außerdem hat der Betroffene vorher ja auch Großes geleistet. Das passt Bestens in unsere Leistungsgesellschaft….

Dabei ist ein Burnout keine leichte Sache!!! Wirklich nicht!!! Die medizinischen und sozialen Folgen sind verheerend. Ein Burnout kann Sie so schädigen, dass Sie unter Umständen nie mehr arbeiten können! Sie können durch einen Burnout Ihre Familie, Freunde, einfach alles verlieren! Wir malen zu schwarz? Nein! Ganz gewiss nicht! Ihnen kann das nicht passieren? Sind Sie sicher? Millionen Menschen vor Ihnen haben das Gleiche gedacht und sind heute Wracks, wenn es ganz schlecht gelaufen ist.

Burnout

Burnout ©iStockphoto/OtmarW

Warum diese deutlichen und vielleicht auch angstmachenden Worte? Wir wollen Ihnen eindringlich klar machen, dass Sie mit dem Feuer spielen, wenn Sie sich dauerhaft in Überlastungssituationen befinden! Der brennbare Gegenstand, der sich in der Gefahrenzone befindet, ist nichts weniger als Ihr Leben, wie Sie es bisher kennen. Wenn Sie jedoch schädliche Verhaltensmuster und Warnzeichen erkennen und damit umzugehen lernen, ist es in den meisten Fällen relativ leicht, die Situation so zu verändern, dass das Kind gar nicht erst in den Brunnen fällt.

Autor: André Hoek
Burnouts kündigen sich in der Regel an. Da Burnouts in allen Kreisen und Schichten unserer Gesellschaft vorkommen, angefangen von der Verkäuferin im Supermarkt bis zum Popstar, versuchen wir die Beschreibung der Warnzeichen möglichst allgemein zu halten. Es müssen auch nicht alle Signale vorliegen, um auf einen Burnout hinzuweisen.

Hier eine Liste mit auslösenden Elementen:
– sehr hohes Arbeitspensum über sehr lange Zeiträume
– dauerhafte Überforderung (Zum Beispiel durch falsche Beförderung. Der beste Schlosser wird zum Werkstatt-Leiter ernannt…)
– ständige Überforderung im privaten Bereich (Kinder, Vereine, Gruppen, kranke Angehörige, ständige Geldsorgen)
– altersbedingte Überlastung (Man ist nicht mehr so leistungsfähig wie mit 20, muss aber heute deutlich mehr leisten)
– Verdrängung eigener Bedürfnisse
– Keine oder oder nur noch wenige Ruhephasen
– chronische Überlastung allgemein (unabhängig von individuellen Auslösern)

Daraus können folgende Folgen resultieren:
– Verkleinerung des sozialen Kreises, zum Beispiel nur noch auf Kunden und Arbeitskollegen oder auch die Kinder
– Häufig Probleme in der Partnerschaft
– Schlafstörungen
– permanente Müdigkeit, die auch nach Pausen oder Urlaub erhalten bleibt
– Gewichtsverlust oder auch seltener Gewichtszunahme
– Alkohol- und Drogengebrauch und/oder -missbrauch
– Hyperaktivität
– Nachlassen der mentalen Leistungsfähigkeit (Man verliert schnell die Beherrschung, ist gereizt…)
– Depressionen

Die am häufigsten auftretende Folge der Missachtung der Warnsignale, ist eine Depression. An dieser Stelle ein persönlicher Rat und sehr wichtiger Rat von mir.
Lassen Sie es um keinen Preis der Welt darauf ankommen an einer Depression zu erkranken!!! Es gibt nur sehr wenig, das schlimmer ist! Und genau zu dieser Situation kann es kommen, wenn Sie nicht auf sich achten. Depressionen sind zwar grundsätzlich heilbar, mit manchen Formen hat man jedoch sein Leben lang zu kämpfen.
Und es gibt nicht genug Geld auf der ganzen Welt, um dies aufzuwiegen.

Nicht weniger schwerwiegend sind die sozialen Folgen eines Burnouts oder des Weges dorthin. Ehen und Freundschaften zerbrechen, man isoliert sich oder andere ziehen sich plötzlich zurück. Wenn Sie dann am Ende doch eine Depression bekommen und Freunde und Familie brauchen, wie nichts sonst auf der Welt, kann niemand mehr da sein. In dieser Situation ist dann auch das ganze Geld auf dem Konto ziemlich wertlos. Ich will Ihnen kurz meine Geschichte schildern, denn sie ist fast exemplarisch. Versuchen Sie dort geschilderten Sachverhalte auf sich und Ihre Lebenssituation anzuwenden. Dies wird Ihnen helfen, die darauf folgenden Vorbeugemaßnahmen besser zu verstehen und umzusetzen.

Ich hatte vor meinem Zusammenbruch viele Jahre gearbeitet bis zum Umfallen. Im Schnitt 80 bis 90 Stunden die Woche. Manchmal mehr. Ich nahm nie Urlaub und keine Krankheit der Welt konnte mich davon abhalten, zur Arbeit zu gehen. Wirtschaftlich ging es mir sehr gut. Nach einigen Jahren verließ mich schleichend meine Kraft. Alles wurde unendlich schwer und jeder Tag zur Qual. Doch ich machte weiter und weiter und weiter. Eines Morgens fehlte mir die Kraft zum Zähneputzen. Wirklich! Ich hatte keine Kraft mehr, die Zahnbürste in den Mund zu stecken! Ich war körperlich und geistig auf dem totalen Nullpunkt.

Durch den ganzen Stress hatte meine Beziehung gelitten und ich wurde genau in dieser Phase von meiner Partnerin verlassen. Der Freundeskreis ging mit meiner Partnerin.
In der Folge verlor ich beide Jobs und das Haus, in dem wir wohnten. Ich brauchte 18 Monate, um überhaupt wieder halbwegs am Leben teilzunehmen und stand dann wieder ganz am Anfang und musste bei Null beginnen. Diese 18 Monate gehörten zu den schrecklichsten meines Lebens. Würde mir heute Jemand sagen, ab morgen müsstest Du das Gleiche noch einmal durchmachen, ich würde den nächsten Morgen nicht erleben.

Ich will jetzt hier nicht Angst und Panik schüren, aber ich will Ihnen deutlich machen, wie heiß das Feuer ist, mit dem Sie vielleicht gerade spielen. Das kann Ihnen nicht passieren? Doch! Es kann! Wir Menschen sind höchst verschieden und haben sehr unterschiedliche Belastungsgrenzen. Der Zustand der Überlastung ist aber bei beiden Gruppen gleich und hat gleiche Auswirkungen.

Hier unsere Ratschläge:
– Vermeiden Sie unbedingt einen Burnout zu bekommen!
– Schaffen Sie sich Freiräume, die nur Ihnen gehören und in denen Sie entspannen können
– Treiben Sie regelmäßig Sport
– Lernen Sie dauerhafte Überlastungssituationen zu erkennen und finden Sie Lösungswege (Ganz ehrlich… Mit meinen heutigen Erfahrungen würde ich lieber den Hof fegen, als nochmal in meinen damaligen stressigen Job als Verkäufer zurück zu kehren.)

Manchmal kann man die Umstände nicht ändern, zum Beispiel wenn Sie einen Angehörigen daheim pflegen oder allein drei Kinder groß ziehen. Dann müssen Sie sich unbedingt und am Besten täglich Freiräume für Ihre persönliche Erholung holen. Zeiten, die nur Ihnen ganz allein gehören und in denen Sie absolut ungestört sind.

Ist auch dies nicht möglich, müssen Sie sich Hilfe holen! Nach einem eventuellen Zusammenbruch kommt diese sowieso. Für pflegende Angehörige gibt es Hilfsvereine, die zum Beispiel mal vier Wochen Urlaub am Stück möglich machen. Auch für Mütter gibt es entsprechende Kuren und Vereine. Nutzen Sie solche Angebote. Und das Allerwichtigste am Schluss. Achten Sie auf Warnsignale und reagieren Sie unverzüglich darauf! Wenn Sie warten, bis es so weit ist und der Burnout mit Zusammenbruch da ist, werden Sie viel zu leiden haben….

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