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Allergie

Es war der Wiener Kinderarzt Freiherr Clemens von Pirquet, der Allergie im Jahre 1906 erstmals definierte als eine „veränderte Fähigkeit des Körpers, auf eine fremde Substanz zu reagieren“. In seine Definition einbezogen hatte er damals sowohl verstärkte Reaktionen des Immunsystems wie auch verminderte oder ganz fehlende Reaktionen. Pirquet war damit der Erste, der erkannte, dass Antikörper nicht immer nur positive Aufgaben erledigen, sondern auch gegen den Körper gerichtete Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen können

Nach offiziellen Statistiken ist die Zahl der Allergiker in den letzten Jahren stetig gestiegen. Heute gibt es in Deutschland 24 bis 32 Millionen Allergiker. Etwa 12 Millionen Deutsche leiden unter Heuschnupfen, vier bis fünf Millionen Menschen und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind, ebenfalls als Folge einer Allergie, an Asthma erkrankt. In den USA ist allergisches Asthma heute bereits der häufigste Grund für Fehlzeiten der Kinder in der Schule.

Etwa die Hälfte der Allergiker sind sich noch nicht einmal ihrer Krankheit bewusst, in entsprechender Behandlung ist gerade einmal ein Viertel der Erkrankten. Dabei sind Allergien und deren Folgen beileibe keine Bagatellen. In der heutigen Definition stellt eine Allergie eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen bestimmte körperfremde Substanzen aus der Umwelt dar. Eine normale Reaktion des Immunsystems ist die Bildung und Aktivierung von Antikörpern beim Eindringen von zum Beispiel Krankheitskeimen in den Körper. Eine überschießende Reaktion, also eine Allergie liegt vor, wenn die körpereigene Abwehr auf solche Substanzen reagiert, die eigentlich gar keine Gefahr für den Körper und die Gesundheit darstellen.

Die schwerste und gefährlichste Form einer allergischen Reaktion ist die sogenannte Anaphylaxie. Dabei ist der gesamte Körper mit seinen Organen betroffen. Anfällig sind vor allem die Haut, die Atemwege, der Magen-Darmtrakt und auch das Herz-Kreislauf-System. Die zum Teil lebensbedrohlichen allergischen Symptome können dabei akut, innerhalb von wenigen Minuten nach dem körperlichen Kontakt mit dem auslösenden Allergen, auftreten. Die Anaphylaxie gilt somit als ein medizinischer Notfall, der eine sofortige ärztliche Behandlung erfordert.

Allergene

Als Allergen werden Substanzen bezeichnet, die eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems, eine sogenannte allergische Reaktion, auslösen. Da die verschiedenen Allergene keine chemischen Gemeinsamkeiten haben, ist es auch nicht realisierbar, eine entsprechende chemische Substanz zu entwickeln, die Allergene zerstören könnte. Die häufigsten der bekannten Allergene sind Eiweiße oder Eiweißverbindungen.

Eine Allergie entsteht, wenn das Immunsystem auf den Kontakt mit dem Allergen mit der Bildung von Immunglobulin-E-Antikörpern reagiert. Gegenüber einer solchen allergischen Reaktion bewirken sogenannte Pseudoallergene eine direkte Reaktion, ohne dass Immunglbulin-E-Antikörper beteiligt sind. Diese kurz IgE genannten Antikörper sind aber erforderlich, um ein Allergen über entsprechende Haut- und Bluttests zu identifizieren. Gerade im Bereich der weitverbreiteten Nahrungsmittelallergien lassen sich Pseudoallergien daher nur durch eine Auslassdiät und eine anschließende Provokation, das heißt durch eine Gabe der verdächtigen Auslöser, diagnostizieren. Typische Auslöser für Pseudoallergien sind Farb- und Konservierungsstoffe, aber auch Substanzen wie biogene Amine, Benzoesäureverbindungen und Aromastoffe.

Grundsätzlich kann jede in der Umwelt vorkommende Substanz als Allergen und damit als Auslöser einer Allergie auftreten. Blütenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder bestimmte Lebensmittel als Allergieauslöser sind den meisten Menschen geläufig. Daneben können aber auch heftige, zum Teil lebensbedrohliche allergische Reaktionen zum Beispiel durch Haarshampoo, Sonnenlicht oder sogar den eigenen Partner ausgelöst werden. Insgesamt sind bis heute rund 20.000 Substanzen als potenzielle Allergieauslöser bekannt. Die bekanntesten allergischen Symptome sind im Bereich der Augen eine Bindehautentzündung und Lidschwellungen. Im Bereich der Atemwege treten meist Heuschnupfen und Dauerschnupfen sowie Schwellungen der Atemwege und Entzündungen in Form von asthmatischen Beschwerden auf. Allergische Reaktionen im Magen-Darm-Trakt äußern sich durch Übelkeit, Durchfall und Magenschleimhautentzündungen. Die Haut ist betroffen in Form von auftretender Nesselsucht, Ödemen, Ekzemen und Neurodermitis.

Die häufigsten Allergene, die auch zu einer Anaphylaxie, der schwersten Form einer allergischen Reaktion führen können, sind im Lebensmittelbereich Nüsse und hier vor allem Erdnüsse. Häufig lösen auch Milch, Eier, Fisch, Schalentiere oder Soja Allergien aus. Davon abgesehen gilt auch hier, dass jedes Lebensmittel Allergie-Auslöser werden kann. Die Menge des Allergens beim Körperkontakt ist dabei nicht immer ausschlaggebend. In einigen Fällen reichen bereits kleinste Mengen des Allergens aus, um lebensgefährliche Reaktionen hervorzurufen. Dabei gibt es auch Allergiker, die derart stark sensibilisiert sind, dass sogar bereits der Geruch des entsprechenden Lebensmittels eine allergische Reaktion hervorruft. Auch die durch Stiche, beispielsweise von Wespen, Bienen oder Hornissen verabreichten Insektengifte können als Allergen lebensgefährliche Reaktionen verursachen. Als typische Anaphylaxieauslöser gelten auch Medikamente, wobei es keine Rolle spielt, ob diese verschreibungspflichtig oder frei verkäuflich sind. Besonders häufig werden allergische Reaktionen durch Antibiotika, Schmerzmittel sowie Narkose- und Röntgenkontrastmittel hervorgerufen.

Allergieformen

Es gibt mehrere Methoden, um Allergien einzuteilen. Am häufigsten werden im Alltag Allergien nach dem jeweiligen Aufnahmemechanismus des Allergens benannt. Hierbei wird unterschieden zwischen der Inhalationsallergie, bei der die Allergene durch Einatmen beispielsweise von Pollen oder dem Kot der Hausstaubmilben in den Körper gelangen. Daneben spielt die Gruppe der Nahrungsmittelallergien eine Rolle, wobei das Allergen über den Verzehr der entsprechenden Lebensmittel aufgenommen wird.

Die Insektengiftallergie tritt nach dem Stich oder Biss von Insekten auf und bei der sogenannten Kontaktallergie wird die überschießende Abwehrfunktion des Körpers durch den Hautkontakt mit dem Allergen, beispielsweise Nickel oder bestimmte Kosmetikstoffe, ausgelöst.

Letztlich bleibt noch die parasitäre oder mikrobielle Allergie zu nennen. Dabei entsteht der Körperkontakt zum Allergen durch einen Befall mit Parasiten oder durch Infektionen. Eine Besonderheit stellen die sogenannten Berufsallergien dar. In der Regel handelt es sich dabei um Kontakt- oder um Inhalationsallergien. Betroffen sind dabei bestimmte Berufsgruppen, die allergieauslösenden Stoffen ausgesetzt sind. So gibt es jedes Jahr in Deutschland rund 5.000 Fälle des sogenannten Bäckerasthmas, eine Mehlstauballergie, und ebenfalls rund 5.000 Fälle von allergischen Hauterkrankungen im Friseurhandwerk, die durch die große Zahl an chemischen Substanzen ausgelöst werden. Naturlatex kann gerade in medizinischen Berufen zu heftigen allergischen Reaktionen führen. Tatsächlich gehören Allergien heute zu den am häufigsten auftretenden Berufserkrankungen. Da inzwischen gerade unter Auszubildenden und Berufsanfängern eine auftretende berufsbedingte Allergie in annähernd 90 Prozent der Fälle zu einer Berufsaufgabe führt, raten Experten dazu, bereits vor der Berufswahl schon auf die Neigung zu Allergien zu achten und auch Veranlagungen hierfür zu berücksichtigen.

Insektenallergie

Insekten wie Bienen oder Wespen geben das Allergen in Form ihres Giftes in die Haut ab. Dabei entwickelt jeder Mensch als eine normale Abwehrreaktion des Immunsystems rund um die Einstichstelle eine Quaddel. Bei Menschen, die eine Insektenallergie entwickelt haben, kann ein normalerweise harmloser Stich aber zu teilweise heftigen Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock führen. Die Symptome einer solchen Überreaktion können starke Schwellungen – zum Teil weit um die Einstichstelle – sowie Atemnot und Schwellungen oder Rötungen im Gesicht- und Halsbereich sein. Die zusätzlichen Symptome eines anaphylaktischen Schocks sind Brennen und Jucken an den Händen und Füßen sowie im Rachenraum und an der Zunge. Daneben treten starke Atembeschwerden sowie ein Schwächegefühl und Hitzewallungen auf.

Diese Symptome erfordern eine sofortige Notfallbehandlung, allerdings sollte auch bei einer normalen allergischen Reaktion ein Arzt aufgesucht werden. Da Allergien meist ein Leben lang erhalten bleiben und in der Stärke der Reaktion auch unvermittelt stark ansteigen können, empfiehlt es sich, mithilfe eines Arztes ein Notfallkonzept zu erstellen. So benötigen Insektengiftallergiker für den Notfall Medikamente, die sie immer bei sich führen sollten. Ein solches Notfallset beinhaltet in der Regel ein Antihistaminikum mit schneller Wirkung, Kortison zum Einnehmen mit ebenfalls schneller Wirkung und Adrenalin zur Injektion bei sehr schweren allergischen Reaktionen. Der Umgang mit den Medikamenten und das angemessene Verhalten im Notfall sollten mit dem Arzt abgesprochen und entsprechend trainiert werden.

Allergie

Allergie @iStockphoto/mkrberlin

Nahrungsmittelallergie

Etwa fünf bis sieben Prozent der Deutschen sind Lebensmittelallergiker. Die auftretenden allergischen Beschwerden können sehr unterschiedlich ausfallen und reichen in der Regel von Juckreiz, Schwellungen im Mund und Durchfall über Blähungen, Quaddel- und Ekzembildungen bis zu Husten und Atemnot. Die Allergene können dabei bei Personen unterschiedlichen Alters verschieden starke Reaktionen hervorrufen. So sind es bei Säuglingen vor allem Milch, Eier, Nüsse und Weizen, die Allergien auslösen können. Gerade solche Allergien bei Säuglingen entwickeln sich aber meist bis in das Kleinkindalter zurück und verschwinden dann oft ganz von selbst.

Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen lässt sich das Abwehrsystem dagegen eher durch sogenannte pollenassoziierte Nahrungsmittel, also durch Obst und Gemüse oder auch Nüsse zu einer Überreaktion verleiten. Es gibt bis heute kein zuverlässiges medizinisches Verfahren, mit dem eine Nahrungsmittelallergie beziehungsweise das entsprechende Allergen eindeutig zu identifizieren wäre. So muss versucht werden, das Allergen in einem oft langwierigen Verfahren über Anamnese-Gespräche zu identifizieren. Im weiteren Verlauf der Diagnose kann das Allergen dann über Haut- oder Bluttests beziehungsweise über direkte, sogenannte Provokationstests ermittelt werden.

Um allergische Reaktionen zu vermeiden, ist die effektivste Methode die sogenannte Karenzkost, deren Ziel es ist, die Allergie auslösenden Nahrungsmittel zu vermeiden. Problematisch kann dies sein, wenn es sich um „versteckte Allergene“ handelt, die nicht direkt erkennbar in verarbeiteten Produkten enthalten sind. Oft sind dies zum Beispiel Milch, Eier, verschiedene Getreidesorten und Gewürze.

Hausstaubmilbenallergie

Das für eine Hausstaubmilbenallergie verantwortliche Allergen ist nicht die Milbe selbst, sondern der Kot der im Hausstaub lebenden Tiere. Dabei gilt es zu beachten, dass Hausstaubmilben in jedem Haushalt vorkommen und kein Zeichen für fehlende Reinheit sind. Der Kot der kleinen Tiere verbindet sich mit dem Staub und kann so über die Atemorgane aufgenommen werden. Als allergische Reaktionen sind vor allem tränende und juckende Augen, Husten, Fließschnupfen, Niesanfällen aber auch Hautreaktionen zu beobachten. Ernstere Folgen sind Atemnot und allergisches Asthma.

Die für eine Allergie verantwortlichen Milbenarten gehören zu den Spinnentieren. Ihre Nahrung besteht vornehmlich aus menschlichen oder tierischen Hautschuppen und Schimmelpilzen. Von den bis zu zwei Gramm Hautschuppen, die ein Mensch jeden Tag verliert, können rund 1,5 Millionen Hausstaubmilben gut leben. Wichtig für Allergiker ist, dass die Milben sich bei hoher Luftfeuchtigkeit besonders wohlfühlen und sich besonders stark vermehren. Dieses tun sie vor allem in den Monaten Mai bis Oktober, mit dem Beginn der Heizperiode sterben die meisten Tiere dann ab. Gleichzeitig ist dieses der Zeitpunkt, an dem die Konzentration an Exkrementen am größten geworden ist, die Beschwerden der Allergiker sind daher in dieser Zeit am größten.

Die größte Ansammlung der Milben befindet sich in regelmäßig benutzten Matratzen. So bleibt auch die richtige Pflege der Matratze das entscheidende therapeutische Mittel. Sinnvoll ist dabei die Nutzung eines sogenannten Encasings, eines allergendichten Matratzenüberzugs. Das Bettzeug von Allergikern muss regelmäßig bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Die weitverbreitete Ansicht, glatte Böden wie Laminat, Parkett oder Fliesen seien für Allergiker günstiger, ist nur dann richtig, wenn die Böden tatsächlich jeden Tag gewischt werden. Ansonsten sind glatte Böden eher ungünstiger, da der Staub hier stärker aufgewirbelt wird als zum Beispiel bei Teppichböden. Da es nicht möglich ist, eine absolut staub- und milbenfreie Umgebung zu schaffen, muss das Ziel in einem Allergikerhaushalt sein, den Wohnraum möglichst milben- und damit allergenarm zu halten.

Pollenallergie

Allergien nehmen seit Jahren stetig zu. So sind auch in Deutschland heute rund zwanzig Prozent der Bevölkerung von der im Volksmund unter dem Namen Heuschnupfen bekannten Pollenallergie betroffen. Die auslösenden Allergene dabei sind die Pollen von Bäumen, wie zum Beispiel der Birke oder der Erle, von Sträuchern, verschiedenen Gräsern oder Getreidesorten und Kräutern. Die allergische Reaktion tritt ein, sobald das Allergen mit den Schleimhäuten in der Nase oder am Auge in Kontakt gerät. Als allergische Reaktionen treten beispielsweise Augentränen und -jucken, Niesen, Schnupfen, Husten sowie Atemnot, Asthma und Hautekzeme auf.

Die sicherste Maßnahme, um pollenallergische Reaktionen zu vermeiden ist, die entsprechenden Pollen in der betreffenden Blütezeit zu meiden. Im tatsächlichen Alltag ist die Umsetzung für einen Allergiker allerdings meist nicht einfach, da die Pollen oft kilometerweit durch die Luft fliegen können oder die Blütezeit, wie zum Beispiel bei Gräsern, sehr lange sein kann. Zumindest theoretisch ist ein Aufenthalt in der relevanten Zeit im Hochgebirge oder an der Küste die hilfreichste Therapieform. Da die größte Pollenverteilung morgens in der Zeit von etwa vier bis sechs Uhr stattfindet, sollten Allergiker in dieser Zeit die Fenster geschlossen halten. Die beste Zeit um „pollenfrei“ zu Lüften ist auf dem Lande zwischen 19 und 24 Uhr. In der Stadt hingegen sinken genau in dieser Zeit die Pollen ab. Hier empfiehlt es sich, in der Zeit zwischen sechs und acht Uhr morgens zu lüften, wenn die Pollenkonzentration in der Luft am niedrigsten ist.

Kreuzallergie

Eine körperliche Reaktion nach dem Genuss eines bestimmten Lebensmittels muss nicht zwangsläufig ein Anzeichen für eine neue Allergie sein, sondern kann gerade bei Pollenallergikern auch eine Folgeerscheinung der bestehenden Allergie sein. Solche Reaktionen auf Pollen und Nahrungsmittel werden „pollenassoziierte Nahrungsmittel-Allergien“ oder auch Kreuzallergien genannt. So zeigen Birkenpollenallergiker bei einer Kreuzallergie nach dem Genuss eines Apfels Symptome wie Kribbeln und Jucken im Mund- und Rachenraum, die bis zu gefährlichen Schwellungen führen können. Andere Reaktionen einer Kreuzallergie können Magen-Darm-Beschwerden, Hautreaktionen oder Kreislaufprobleme bis hin zum anaphylaktischen Schock sein.

Solche pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien sind die wohl am meisten verbreitetsten Varianten von Nahrungsmittelallergien. Gerade wenn eine Pollenallergie auf früh blühende Bäume oder Sträucher, zum Beispiel auf Birke, Erle oder Hasel vorliegt, treten Kreuzallergien häufig auf. So reagieren etwa 50 Prozent der Birkenpollenallergiker irgendwann auch auf Äpfel allergisch. Pollenallergiker sollten deshalb eine geplante Diät immer mit ihrem Arzt abklären, da je nach vorliegender Art der Pollenallergie spezifische Kreuzallergien, die auftreten können, bekannt sind.

Auch im Fall einer pollenassoziierten Nahrungsmittel-Allergie ist es schwer, das entsprechende Allergen zu identifizieren. Wenn Beschwerden auftreten, kann zunächst über das Führen eines kombinierten Beschwerde-, Ernährungs- und Pollenflugtagebuchs versucht werden, mögliche Allergene zu erkennen. Im Anschluss kann über eine sogenannte Ausschlussdiät die Allergie noch mehr eingekreist werden. Ist das auslösende Lebensmittel bekannt, hilft es oft, dieses über eine entsprechende Wärmebehandlung zu entschärfen. Hilft dies nicht, muss der Allergiker auf Ersatzprodukte umsteigen oder das allergieauslösende Nahrungsmittel zumindest in der Pollenflugzeit komplett meiden.

Allergisches Asthma

Die typischen Folgen einer Asthma-Erkrankung sind Husten, ein Engegefühl in der Brust bis hin zu Atembeschwerden und einem akuten Asthmaanfall. Dabei leiden Asthmatiker über eine anhaltende Entzündung der Bronchialschleimhaut und dadurch entsteht eine starke Empfindlichkeit der Atemwege. Als Folge schwillt die Schleimhaut an, die Bronchien werden durch eine verstärkte Sekretproduktion verengt. Bei einem akuten Asthmaanfall verkrampft sich daneben noch die Bronchialmuskulatur. Im Fall eines sogenannten allergischen Asthmas liegt die Ursache der Erkrankung in einer bestehenden Allergie. Die häufigsten Allergien, die ein allergisches Asthma als Folge haben, sind die Hausstaubmilben-, die Tierhaar-, Pollen- und Schimmelpilzallergie. Daneben spielen auch immer mehr Berufsallergene wie zum Beispiel die Mehlstauballergie bei Bäckern eine Rolle als Auslöser von allergischem Asthma.

Werden die Allergene eingeatmet, so reagiert das Immunsystem an den Bronchien. Durch eine verstärkte Histamin-Ausschüttung schwellen die Schleimhäute an und produzieren so einen zähen Schleim. Zusätzlich gefährlich ist der Umstand, dass ein Anfall beim allergischen Asthma durchaus auch durch körperliche und geistige Belastungen oder aber durch Viren, also ohne einen direkten Allergeneinfluss, ausgelöst werden kann. Allergisches Asthma ist keine harmlose Erkrankung, sondern kann durchaus lebensbedrohliche Folgen haben. Aus diesem Grund sollte sowohl die detaillierte Diagnose als auch die Behandlung nur von einem fundierten Facharzt, einem Allergologen ausgeführt werden.

Die Diagnose und die Festlegung der entsprechenden Therapie erfolgen in einem Verfahren aus Hauttests, Blutuntersuchungen, Lungenfunktionstests und detaillierten Anamesegesprächen. Aufgrund der bestehenden Grundentzündung erfolgt eine Behandlung in der Regel immer über ein Kortisonpräparat. Daneben erhalten Asthmatiker ein sogenanntes Notfallspray, für den Fall eines akuten Anfalls. Ansonsten gilt auch beim allergischen Asthma, ähnlich wie bei allen allergischen Erkrankungen, das Gebot, den Kontakt mit dem Allergen zu meiden. Auch zusätzliche „Stresssituationen“ für die Bronchen, wie Kaltluft, Nebel und Staub sollten vermieden werden. Das Rauchen ist unbedingt zu unterlassen.

Kinder und Asthma

In Deutschland leidet fast jedes zehnte Kind unter einer allergischen Asthmaerkrankung, dabei sind Jungen etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Asthma stellt damit die häufigste chronische Erkrankung unter Kindern überhaupt dar, wobei die Ursache in den allermeisten Fällen eine Allergie ist. Dabei sind gerade Kinder betroffen, die unter einer Pollen- oder unter einer Hausstaubmilbenallergie leiden. Zwar bilden sich die allergischen Reaktionen im Laufe der Kindheit in 50 Prozent der Fälle zurück, dennoch bleibt die grundsätzliche Veranlagung ein Leben lang erhalten und so erkrankt mehr als jedes dritte Kind, das heute unter einer Pollenallergie leidet, als Erwachsener unter Asthma.

Die Ursache liegt vor allem darin, dass sich die allergische Entzündung ausgehend von der Nasenschleimhaut auf die Schleimhaut der Bronchien ausbreitet. Die Diagnose von allergischem Asthma bei Kindern ist nicht einfach, da die Symptome oft schwächer oder untypisch aussehen. In einigen Fällen kann zum Beispiel ein häufiges Räuspern das einzige erkennbare Krankheitszeichen sein. In dieser Situation wird Asthma bei Kindern oft unterschätzt und selbst viele Ärzte schätzen den Gesundheitszustand der kleinen Patienten trotz zum Teil deutlicher Zeichen auf schweres Asthma, wie Luftnot, pfeifende Atmung oder Husten, falsch ein.

Der Besuch eines Facharztes durch die Eltern beziehungsweise die Überweisung zum entsprechenden Lungenfacharzt oder Allergologen durch den Kinderarzt ist dringend zu empfehlen. Fehlt eine angemessene therapeutische Behandlung, kann allergisches Asthma bei Kindern, wie alle chronischen Erkrankungen, zu elementaren körperlichen und geistigen Entwicklungsdefiziten führen. Ein weiteres großes Risiko, wenn die Krankheit nicht konsequent mit entzündungshemmenden Sprays behandelt wird, besteht darin, dass die Lunge des Kindes dauerhaft geschädigt werden kann.

Asthma und Sport

Gegenüber der landläufigen Meinung, Sport sei für Asthmatiker gefährlich, belegen zahlreiche fundierte wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich im Gegenteil ein guter Trainingszustand günstig auf die Erkrankung auswirkt. Eine regelmäßige sportliche Aktivität verbessert grundsätzlich immer die Funktionskraft der Lunge. So erhöht regelmäßiges Training bei Asthmatikern die Reizschwelle für einen asthmatischen Anfall auch erheblich. Deshalb sollten Asthmatiker, auch bereits Kinder, immer an sportlichen Aktivitäten teilnehmen können. Dabei ist es von Bedeutung, das der Asthmatiker eine zuverlässige ärztliche Behandlung und eine genau abgestimmte Medikamentation erfährt. Letztendlich kann eine der Schwere des Asthmas angepasste sportliche Betätigung sogar ein sinnvoller und wertvoller Teil der Therapie sein. In der Regel werden dabei Sportarten wie Schwimmen, Joggen, Radfahren und „Walking“ empfohlen. Auch die Teilnahme an Wettkämpfen ist bei einer konsequenten und systematischen Behandlung und Kontrolle des Asthmas problemlos, nicht umsonst sind auch viele Spitzensportler Asthmatiker.

Wichtig ist, dass bereits die Kinder, die an einer allergischen Asthmaerkrankung leiden lernen, richtig mit ihren Medikamenten umzugehen. So muss vor jedem Training vorbeugend eine Dosis eines schnell wirkenden, Bronchien erweiternden Medikaments inhaliert werden. Auf diese Weise ist ein entsprechendes Training dann normalerweise ohne Einschränkung zu bewerkstelligen. Da zumeist den Sportlehrern an deutschen Schulen das nötige Wissen zu einem adäquaten Umgang mit asthmakranken Kindern im Sportunterricht fehlt, kommt es hier dennoch immer wieder zu falschen und zum Teil gefährlichen Einschätzungen und Reaktionen. So reagieren die Atemwege von Asthmatikern sehr empfindlich auf trockene und kalte Luft, gerade bei Kindern kann dabei in Verbindung mit körperlicher Betätigung ein Asthmaanfall ausgelöst werden.

Asthma Behandlung

Treten allergische Reaktionen auf, beginnt die schwierige Suche nach dem Auslöser. Hier ist das ganze Können und Wissen des Arztes gefragt, der im Grunde alle etwa 20.000 bekannten Allergene kennen müsste. Dennoch wird die Suche gegebenenfalls zur Detektivarbeit. Wenn zum Beispiel manche Orangensäfte vertragen werden, während andere eine allergische Reaktion hervorrufen, könnte der Grund darin liegen, dass zum Teil während des Produktionsprozesses Schimmelpilzenzyme hinzugesetzt werden, um die Schale aufzulösen und Rückstände davon als potenzielle Allergene im Saft verbleiben. Bei der Produktion von Mehl werden teilweise Mehlkäfer und ihre Larven mitgemahlen, die Reste verbleiben genauso im Mehl, wie Gift, das gegen die Käfer eingesetzt wird. So werden unentwegt und unwissend Substanzen konsumiert, die auch gefährliche Allergieauslöser sein können.

Ist die Allergie erst einmal erkannt, gilt es als erste Maßnahme möglichst jeglichen Kontakt mit den allergieauslösenden Allergenen zu verhindern. Je nach Art des Allergens kann dies, wie beispielsweise bei Hausstaubmilben, Pollen oder bestimmten Lebensmitteln, eine beträchtliche Veränderung der Lebensgewohnheiten für den Asthmatiker bedeuten. Die einzige ursächliche medizinische Hilfe ist die sogenannte Hyposensibilisierung, eine Immunisierung nach dem Prinzip einer Impfung. Diese Methode ist allerdings nicht ganz ungefährlich und darf in allen Stadien nur von erfahrenen Fachärzten durchgeführt werden. Zur Minderung der Allergiesymptome findet immer eine medikamentöse Therapie statt. Neben je nach Art der Allergie unterschiedlichen Notfallmedikamenten für den Fall eines Allergie-Anfalls werden gerade zur Therapie von allergischem Asthma Sprays verschrieben, die in der Regel dauerhaft eingenommen werden müssen und die eine entzündungshemmende und eine Bronchien erweiternde Wirkung haben.

Hyposensibilisierung

Das Ziel einer sogenannten Hyposensibilisierung ist es, den Körper an das Allergen zu gewöhnen und so eine Beseitigung der entsprechenden allergischen Reaktion zu erreichen. Je nach der Stärke der Allergie kann dabei auch eine erreichte Verminderung des Medikamentenkonsums beziehungsweise die Hemmung einer weiteren negativen Entwicklung der Allergiekrankheit schon ein Erfolg einer Hyposensibilisierung sein.

Um eine Hyposensibilisierung, die tatsächlich einzige ursächliche medizinische Hilfe bei einer Allergie, durchführen zu können, muss das auslösende Allergen klar identifiziert sein. Bei zusätzlich relevanten Kreuzallergien zu Nahrungsmitteln, die eine Allergenverwandtschaft zu relevanten Pollen haben, kann gegebenenfalls auch eine Besserung diese Nahrungsmittelallergie erreicht werden. Grundsätzlich kann die Therapielösung entweder subkutan oder sublingual beziehungsweise oral verabreicht werden. Unabhängig von der Art der Verabreichung, wird die Dosis kontinuierlich gesteigert, bis die Höchstdosis erreicht ist, die dann über einen längeren Therapiezeitraum hinweg weiter gegeben wird. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel drei Jahren, bei Insektengiftallergikern wird die Behandlung meist auf fünf Jahre ausgedehnt.

Eine Behandlung zur Hyposensibilisierung ist allerdings nie frei von Risikoeinflüssen und sollte deshalb nur von erfahrenen Fachärzten durchgeführt werden. Gerade in der Einleitungsphase können unterschiedlich starke, durchaus auch gefährliche allergische Reaktionen auftreten. Die genau und sehr sorgsam abgestimmte individuelle Dosierung spielt daher eine wesentliche Rolle. Durch eine genaue Ermittlung individueller Risikofaktoren und eine gewissenhafte ärztliche Nachbeobachtung des Patienten lässt sich das Risiko aber auf ein Minimum reduzieren. Dennoch gilt es immer genau abzuwägen, ob die zu erwarteten Therapieerfolge die Risiken einer Hyposensibilisierung rechtfertigen.

Asthma Prävention

Seit Jahren beschäftigt sich die allergologische Wissenschaft intensiv mit der Frage, worin der Grund für den immensen Anstieg an Allergien innerhalb der letzten Jahrzehnte zu finden ist. Daneben wird mit Nachdruck daran gearbeitet, Maßnahmen zu entwickeln, mit denen Allergien, Asthma und Neurodermitis vorgebeugt werden können, beziehungsweise ein Ausbruch bei einer vorhandenen Veranlagung verhindert werden kann. Es gibt zwar bis heute kein Verfahren besonders gefährdete Personen zu identifizieren, dennoch ist es erwiesen, dass die Veranlagung eine derartige Krankheit zu bekommen vererbbar ist. Bei der Einschätzung der Risikofaktoren gerade bei Kindern wird daher die Anamnese, das heißt die medizinische Familiengeschichte standardmäßig hinzugezogen. Dabei gilt, dass Kinder, deren beide Elternteile eine gleiche atopische Erkrankung aufweisen, das höchste Risiko haben, eine Allergie zu entwickeln.

Als wesentlichste Maßnahme zur Allergieprävention gilt das Einstellen vom aktiven und passiven Rauchen schon während der Schwangerschaft. Rauchen gilt als einer der größten Faktoren für eine Allergie- und Asthmaentwicklung. Gerade bei Säuglingen entstehen erste allergische Reaktionen auf Kuhmilch und Hühnerei, die sich dann durch Probleme im Magen-Darmtrakt oder durch Hautausschlag, zum Beispiel in Form von Neurodermitis, zeigen. Präventionsmaßnahmen zielen schon früh darauf ab, den Kontakt mit dem potenziellen Allergen, hier den Fremdeiweißen, zu vermeiden. Dabei gilt das Stillen für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten als effektivste und entscheidenste Maßnahme. Ist eine potenzielle Veranlagung zu einer Allergieerkrankung bekannt, sollte der Kontakt zu Haustieren möglichst gering gehalten werden, Gleiches gilt für Hausstaubmilben, Schimmelpilzen und Pollen.

Allergie und Umwelt

Zu Zeiten der Wiedervereinigung Deutschlands erwarteten Wissenschaftler noch einen wesentlich höheren Anteil an Allergieerkrankungen unter der Bevölkerung des Ostens gegenüber der des Westens. Immerhin, so dachte man, waren die Menschen dort über Jahrzehnte einem enormen Industrieschmutz ausgesetzt, was einen entsprechenden Effekt auf ihre Gesundheit haben sollte. Die Ergebnisse der nachfolgenden Untersuchungen verblüfften allerdings die Experten und zwangen die medizinische Forschung zu einem radikalen Umdenken. Tatsächlich waren Allergien im Osten deutlich geringer verbreitet als im Westen des Landes. Erst mit der Öffnung der Grenzen und der damit verbunden veränderten Lebensweise nahmen diese sprunghaft zu.

Allergien stehen in direkter Verbindung mit der Umwelt, in der die Menschen leben, vor allem mit den persönlichen Lebensumständen und -gewohnheiten. Gerade in Bezug auf Allergien spielt die Tatsache, dass der Körper des Menschen immer mehr und immer neuen Stoffen ausgesetzt ist, mit denen die Abwehrkräfte umgehen müssen, eine wesentliche Rolle. Dies betrifft neben natürlichen körperfremden Stoffen auch immer mehr Substanzen aus dem Bereich der organischen Chemie, sprich Kunststoffe und Kunstfasern, Reinigungs- und Pflegeprodukte. Das menschliche Abwehrsystem ist mit dieser Anhäufung an „Fremdstoffen“ schlichtweg überfordert.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn bereits Kinder möglichst früh mit solchen Fremdkörpern in Kontakt kommen. Nicht umsonst gibt es weniger Allergien bei Menschen, die auf dem Bauernhof aufwachsen, nicht umsonst haben Geschwisterkinder weniger Allergien als Einzelkinder. Auch die geringe Allergierate in der ehemaligen DDR wird so verständlich. Auch hier hatten die Menschen von Kindesbeinen an, über Kontakte in der Krippe, über Spielen in der Natur und auf der Straße und über natürlichere Nahrung frühen Kontakt zu verschiedensten Umweltstoffen, zu Keimen und Bakterien. Das Abwehrsystem des Körpers war sinnvoll beschäftigt. Früh genug hatte der Körper so Gelegenheit, entsprechende Antikörper zu aktivieren und eine dauerhafte Abwehr aufzubauen. Für die Gesundheit der Kinder ist eine sterile Umwelt also durchaus nicht sinnvoll, ein sogenannter „Sagrotan-Haushalt“ wirkt einer gesunden Entwicklung des Abwehrsystems entgegen.