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BMI – Der Body Mass Index

Der Body Mass Index: Gewichtsbeurteilung mit Grenzen

Es ist ein Kreuz mit dem Übergewicht. Nicht nur, weil zu viele Pfunde tatsächlich zu Rückenschmerzen führen können. Sondern allein schon wegen der Tatsache, dass die Meinungen, welches Gewicht zu hoch und welches noch im Rahmen ist, ganz schön auseinandergehen. Entscheidet das eigene Wohlbefinden, ob die Kilos noch okay sind? Oder der Arzt? Oder irgendeine Tabelle in einem Frauenmagazin? – Nicht zuletzt, um das Gewicht eines Menschen mithilfe eines möglichst objektiven Maßstabes zu beurteilen, gibt es den Body Mass Index (BMI).

Kategorien für die Kilos

70 Kilogramm können bei einem Menschen das perfekte Gewicht sein, während zum Beispiel eine kleine Frau schon darüber nachdenken sollte, mit Bewegung und Ernährung ein paar Pfund zu verlieren. Allein schon dieses kleine Beispiel macht deutlich: Ob das, was wir aktuell auf die Waage bringen, zu wenig, zu viel oder gerade richtig ist, hängt neben einigen anderen Faktoren auch ganz entscheidend von unserer Körpergröße ab. Nicht umsonst kursieren im Hinblick auf die Figur ja Witze wie „ich bin nur etwas zu klein für mein Gewicht“. Der Body Mass Index setzt mit einer einfachen mathematischen Berechnung Körpergewicht und -größe zueinander in Beziehung. Anhand der erhaltenen Messzahl kann jeder ab 19 Jahren in den BMI-Tabellen nachsehen, in welcher der sechs Gewichtskategorien von Untergewicht bis zu schwerer Adipositas er sich befindet.

Falsches Gewicht als Versicherungsrisiko

Ein interessantes Detail am Rande liefert die Entstehungsgeschichte des Body Mass Index. Wer meint, das mathematische Konstrukt sei vor allem zur Information von interessierten Menschen oder von solchen, die bei sich ein gesundheitsgefährdendes Gewicht vermuten, gedacht, irrt. Der BMI ist die Erfindung des belgischen Statistikers Adolphe Quetelet, zu dessen Projekten es unter anderem gehörte, den „mittleren Menschen“ über mathematische Kennzahlen zu vermessen. Aufgegriffen und mit Praxisbezug versehen wurde der BMI schließlich von amerikanischen Versicherungsgesellschaften. Nachdem der Zusammenhang zwischen extremem Unter- oder Übergewicht und der durchschnittlichen Lebenserwartung der Betroffenen bekannt wurde, machten die ausgefuchsten Versicherer die Prämienhöhen der einzelnen Versicherten an deren Gewicht fest. Jede Pizza und jedes Eis zu viel machte sich somit nicht nur auf der Waage, sondern auch in Geldbeutel der Betroffenen bemerkbar.

BMI - Der Body Mass Index

BMI – Der Body Mass Index ©iStockphoto/Rostislav_Sedlacek

So errechnen Sie Ihren BMI

Um Ihren eigenen BMI herauszufinden, brauchen Sie eine Waage, ein Längenmaß – und natürlich sich selbst. Bestimmen Sie als erstes Ihre Körpergröße und Ihr aktuelles Gewicht. Natürlich ohne Kleidung und vor allem ohne Schuhe, damit Sie Ihrem tatsächlichen Body Mass Index so nahe wie möglich kommen. Der BMI errechnet sich, indem Sie Ihre Körpermasse, also Ihr Gewicht in Kilogramm, durch das Quadrat Ihrer Größe in Metern teilen. Zu kompliziert? Nein – hier ist ein Beispiel!

Die 31 Jahre alte Anna ist 1,70 groß und wiegt 60 kg. Die korrekte Formel zur Berechnung ihres BMI lautet

BMI = 60 : (1,7 x 1,7) = 20,8

Wichtig: Die Klammer um die miteinander multiplizierten Werte der Körpergröße sagt aus, dass dieser Rechenschritt als erstes durchgeführt werden muss. Erst danach wird das momentane Körpergewicht durch diesen Wert geteilt! Sie haben gerade keinen Taschenrechner zur Hand oder stehen mit der Mathematik ohnehin auf Kriegsfuß? Macht überhaupt nichts! Im Internet finden Sie BMI-Rechner wie Sand am Meer. Einfach Größe und Gewicht eingeben und der passende BMI wird postwendend berechnet!

Die „Tabelle der Wahrheit“

So. Nun wissen Sie Ihren BMI – doch was tun mit dem Wert, den Taschenrechner oder Internet ausgespuckt haben? Aufschluss bringt die zum BMI gehörige Tabelle, die Menschen nach ihrem Body Mass Index in sechs Kategorien einteilt. Achtung – es kursieren mehrere Formen von Einteilungen! Das folgende Modell stammt von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE):

Untergewicht: bis 20 bzw. bis 19*
Normalgewicht: ab 20 bis 25 bzw. ab 19 bis 24*
Übergewicht: ab 25 bis 30 bzw. ab 24 bis 30*
Starkes Übergewicht (Adipositas Grad I): ab30 bis 35
Adipositas Grad II: ab 35 bis 40
Adipositas Grad II: 40 und mehr

*Sind zwei Wertebereiche angegeben, sind die Richtwerte für Männer beziehungsweise Frauen angegeben.

Der Tatsache, dass ein idealer Gewichtsbereich auch vom Alter einer Person abhängt, trägt die folgende Tabelle Rechnung. Je nach Alter soll sich das Gewicht im Bereich der folgenden Grenzwerte bewegen:

19-24 Jahre: 19-24
25-34 Jahre: 20-25
35-44 Jahre: 21-26
45-54 Jahre: 22-27
55-64 Jahre: 23-28
ab 65 Jahre: 24-29

Die 31 Jahre alte Anna aus unserem obigen Beispiel kann sich freuen: Sie liegt mit ihrem BMI von 20,8 in beiden Tabellen im gewünschten Bereich.

Die Grenzen zwischen Mathematik und Mensch

Leider – oder zum Glück? – sind der Aussagekraft des BMI (menschliche) Grenzen gesetzt. Nicht immer macht die Einteilung in Kategorien durch den berechneten Körpermasseindex auch Sinn, wie folgende Beispiele ganz eindrucksvoll zeigen:

Beispiel 1: Der durchtrainierte Sportler.
Hätten Sie als Mann nicht auch gerne einen beneidenswert definierten Brustmuskel oder als Frau einen festen Bauch und straffe Beine? Wenn Sie regelmäßig trainieren, sollten Sie sich durch Ihre persönliche BMI-Berechnung unter keinen Umständen aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Der Körpermasseindex kann nämlich nicht unterschieden, ob Ihre 60 oder 80 Kilo auf zu viel Fett oder eine gut trainierte Muskulatur zurückzuführen sind. Also lassen Sie es lieber gleich und testen Sie – wenn Sie es denn genau wissen möchten – Ihren Körperfettanteil an einer dafür ausgerüsteten Waage.

Beispiel 2: Das Apfelproblem
Das haben Sie sicher schon gehört: Im Hinblick auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung ist Übergewicht nicht gleich Übergewicht. Ein paar Pfund zu viel an den Beinen oder am Po mögen vielleicht störend sein – potenziell aufpassen sollte man aber, wenn sich die überflüssigen Kilos in der Körpermitte sammeln. Hier lauert bei manchen Menschen ein mögliches Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie selbst wissen natürlich, an welchen Stellen Ihres Körpers sich die Speckpölsterchen breitmachen. Ihre Waage weiß das nicht und liefert der BMI-Berechnung einfach nur einen Kilogrammwert. So kann es geschehen, dass ein etwas zu hoher Body Mass Index bei der einen Person eher nur kosmetisch ins Gewicht fällt, während bei einem anderen Menschen schon die Alarmglocke den Start in ein gesünderes Leben einläuten sollte.

Beispiel 3: Spezielle Personengruppen
Es gibt Menschen, bei denen der BMI nur mit kritischem Blick anzuwenden oder gar völlig unbrauchbar ist. Das gilt vor allem für Kinder und Jugendliche, deren Wachstum höchst unterschiedlich verläuft und nicht in das relativ starre BMI-System gepresst werden kann und soll. Schwierig wird es auch mit alten Menschen. Hier weiß man, dass eine Zunahme der Körpermasse durch aus gesundheitliche Schutzfunktionen übernehmen kann, während die BMI-Tabellen Senioren mit einigen Polstern schnell in die adipöse Schublade schieben. Auch bei Menschen, die ungewöhnlich klein oder groß sind, führt der Körpermasseindex häufig zu unsinnigen Einteilungen in die jeweiligen Kategorien.

Also weg mit dem Body Mass Index? Nein, natürlich nicht. Als Frühwarnsystem für Erkrankungen, die mit Über- oder auch Untergewicht einhergehen oder durch sie ausgelöst werden können, ist der BMI ein guter Gradmesser. Wichtig ist jedoch – wie eigentlich bei allen Themen rund um Gesundheit und Gewicht – ein vernünftiger und überlegter Umgang mit diesem Instrument.

Mitdenken statt reiner Messung!

Und so sieht eine sinnvolle Anwendung des Body Mass Index aus:

1. Berechnen Sie Ihren BMI wirklich nur dann, wenn Sie mindestens 19 Jahre alt sind, nicht schwanger sind und nicht an einer physischen oder psychischen Erkrankung leiden, die Ihr Gewicht erhöht oder reduziert.

2. Wenn das Ergebnis nicht mit dem übereinstimmt, was Sie eigentlich erwartet haben, überlegen Sie, woher diese Diskrepanz kommen könnte. Wenn Sie also besonders klein sein sollten oder gerne im Fitnessstudio die Hanteln stemmen, bedeutet eine Einstufung in die Kategorie Übergewicht nicht, dass das auch so ist.

3. Jeder Mensch hat Phasen im Leben, in denen es einfach einmal nicht so läuft. Wenn Sie der Liebeskummer zur Aufstockung Ihrer Schokoladenrationen zwingt oder ein wichtiges Projekt im Job so manche Mahlzeit ausfallen lässt, ist das vorübergehend. Vergessen Sie es also, wenn der BMI geringfügig nach oben oder unten ausschlägt, und muten Sie sich in der schwierigen Zeit nicht noch eine krampfhafte Essensumstellung zu.

4. Sie haben deutliches Über- oder Untergewicht? Denken Sie kurz darüber nach, ob Sie dafür eine Erklärung finden. Es macht bei Untergewicht beispielsweise einen deutlichen Unterschied, ob Sie schon immer riesige Mengen essen konnten, ohne ein Gramm zuzunehmen, oder ob Sie in letzter Zeit einen ungewollten Gewichtsverlust hatten. In letzterem Fall: Bitte vom Arzt durchchecken lassen! Schauen Sie auch genau hin, an welchen Stellen sich eventuelle überflüssigen Pfunde befinden. Haben Sie in der Körpermitte zugelegt, sollten Sie als „Apfeltyp“ ebenfalls mit dem Arzt sprechen.

5. Kleinere Abweichungen können Sie durchaus selber in den Griff bekommen. Mit gezielter Ernährung, einem dosierten Trainingsprogramm sowie einem gesteigerten Bewusstsein für ein Verhalten, das der eigenen Gesundheit dient. Schlägt der Body Mass Index weit nach oben oder unten aus, sollten Sie die geplante Gewichtsregulierung in jedem Fall mit einem Arzt besprechen. Und bei aller Motivation – aber das wissen Sie ja selbst – Übertreiben schadet oft mehr, als dass es nützt!

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