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Probleme mit der Diagnose bei Depression

Viele Depressive berichten davon, dass es oft sehr lange gedauert hat, bis die Diagnose Depression gestellt wurde. Oft wurde erst an einer Vielzahl, mit einer Depression einhergehenden, körperlichen Symptomen herum laboriert. Meist ohne große Ergebnisse, denn kaum war eine Symptom-Problematik verschwunden, tauchte irgendeine andere auf. Bis irgendwann endlich ein Arzt auf die Idee kommt, dass es sich um eine Depression handelt und den Kranken an einen Facharzt überweist.

Wieso ist das so? Eine endgültige Erklärung haben wir auch nicht, aber wir vermuten, wo die Probleme liegen. Ist man krank, geht man natürlich zu seinem Hausarzt. Dieser ist Allgemein-Mediziner und muss in der Lage sein, für jedes nur denkbare Krankheitsbild eine Diagnose zu stellen. Dass dies bei der großen Zahl der verschiedenen Krankheiten schwierig wird, kann man sich denken. Außerdem wurde vermutlich vielen Allgemein-Ärzten das Thema Depressionen auf der Universität, nicht in geeigneter Weise nahe gebracht.

Depression

Depression ©iStockphoto/Gewitterkind

Das ist aber nur ein Teil der Erklärung. Der Kranke kommt oft mit sehr diffusen Problemen zum Arzt. Ständige Müdigkeit und Lustlosigkeit, gepaart mit diversen körperlichen Symptomen, sind die Sachverhalte, die als Erstes bei Arztbesuch zur Sprache kommen. Dies kann aber auch viele körperliche Ursachen haben und die müssen ausgeschlossen werden.

Eine weitere Ursache für falsche Diagnosen ist das Gesundheitssystem in Deutschland. Ein Arzt ist auch gleichzeitig Unternehmer und muss wirtschaftlich arbeiten.
Er muss Angestellte, Praxis-Miete, Strom-Internet-Telefon und Kredite für die erste Praxis-Ausstattung bezahlen. Inzwischen ist aber eine Situation eingetreten, in der der Arzt für die Behandlung eines Kranken nicht mehr nach Aufwand, sondern mit einem Pauschalbetrag bezahlt wird. Dieser ist sehr niedrig und auch bei Patienten identisch, die nur einmal oder täglich in die Praxis kommen. Der Arzt bekommt also für die Behandlung eines Schnupfens genau so viel Geld, wie für Jemanden, der chronisch krank ist und seine Dienste täglich in Anspruch nimmt.

Ob er will oder nicht, der Arzt kann oft aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht die Zeit aufwenden, die für eine gründliche Diagnostik notwendig wäre. So hart es klingt.
Verlierer ist der Depressive.

Um Ihnen das Ganze bildlich zu veranschaulichen, hier mal eine kleine Liste mit Krankheiten, die bei mir vor der Depression diagnostiziert wurden: Pilze im Darm, HIV, Fibromyalgie, Bandwurm, Krebs und was weiß ich alles noch. Ein Fach im Kühlschrank stand voll mit Medikamenten und am Ende wusste ich nicht mehr, wie viel ich wovon nehmen musste. Ein Rheumatologe! stellte dann endlich die richtige Diagnose und überwies mich an einen Facharzt. Wenn auch Sie unter ständig wechselnden Krankheiten leiden, sprechen Sie das Thema Depression beim nächsten Hausarzt-Besuch mal direkt an. Und bitten um eine Überweisung zum Psychiater. Lassen Sie sich besonders am Anfang nicht zu irgendeinem Psychotherapeuten schicken!

Viele dieser Therapeuten haben oft nur eine Heilpraktiker-Ausbildung von wenigen Wochen hinter sich. Diese Therapeuten sind sicher eine gute Hilfe, wenn es darum geht, schädliche Verhaltensmuster zu erkennen und zu ändern, doch für eine Erst-Diagnose fehlt den Meisten schlicht und einfach die Befähigung. Es gibt auch Ärzte, die in irgendeiner Beziehung zu diesen Therapeuten stehen oder sich für „Überweisungen“ bezahlen lassen. Bei mir war es die Frau des Arztes. Ich war dort nur einmal, weil die Dame eigentlich selbst Hilfe nötig gehabt hätte.

Ein Psychiater hat ein Medizinstudium abgeschlossen und noch eine zusätzliche Ausbildung für Psychotherapie. Er kennt sich also sowohl mit der rein körperlichen als auch mit der psychologischen Seite aus. Nur er kann fachgerecht Medikamente und Therapien verordnen. Wenn Sie also vermuten, dass Sie an Depressionen leiden, bitten Sie Ihren Hausarzt direkt um eine Überweisung zum Psychiater. Er kann dann entscheiden, ob Ihr Verdacht begründet ist oder nicht.

Autor: André Hoek

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