Skip to main content

Psychopharmaka – Viel besser als ihr Ruf

Ihr Arzt hat Ihnen ein Antidepressivum verschrieben und Sie sitzen jetzt mit der Packung Pillen das erste Mal Daheim und die erste Einnahme steht bevor.

Da gehen einem eine Menge Gedanken im Kopf herum… Werde ich davon abhängig und muss das Medikament mein ganzes Leben lang nehmen? Wird sich meine Persönlichkeit oder Teile davon verändern? Werde ich unter ganz schlechten Umständen zum „sabbernden Zombie“? Egal welcher Art Ihre persönlichen Fragen oder Ängste in diesem Augenblick sind, wir können Sie beruhigen. Nichts von davon wird eintreten!

Moderne Psychopharmaka sind heute mehr das feine chirurgische Messer, während noch vor 20 oder 30 Jahren eher die gute alte Holzkeule angewendet wurde.
Sie setzen exakt an der Stelle an, die repariert werden muss und tun sonst nichts anderes. Die Stoffwechselprozesse im Gehirn sind hoch komplex. Wobei sich Stoffwechsel hier auf die Botenstoffe, die Neurotransmitter, bezieht. Man kann sich das Ganze wie ein Computersystem vorstellen, auf dem eine Unmenge von Daten verarbeitet wird. Die gewonnenen Daten werden wieder für andere Prozesse benötigt und immer so weiter. Schon kleinste Fehler können am Ende ziemlich große Auswirkungen haben.

Psychopharmaka

Psychopharmaka ©iStockphoto/Orla

Neurotransmitter ist eigentlich nur ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Botenstoffen. Diese Botenstoffe sind zum Beispiel dafür zuständig, dem Gehirn Bescheid zu geben, dass der Zeh weh tut, da wir uns gerade den Fuß angeschlagen haben.

Andere Neurotransmitter sind dafür verantwortlich, dass wir müde werden und wieder andere vermitteln uns Glücksgefühle. Man kann sagen, dass fast jede Emotionslage von Neurotransmittern beeinflusst wird. Diese Wirkung kann durch die Ausschüttung von Hormonen noch verstärkt oder minimiert werden. Zusätzlich gibt es auch noch Abbauprodukte von Neurotransmittern, die wieder ihre ganz eigenen Wirkungen auslösen. Diese Neurotransmitter werden von einer Stelle im Körper, hier der angeschlagene Fuß, ausgesandt und docken an der für sie vorgesehen Stelle im Gehirn wieder an und überbringen diesem die Information vom schmerzenden Zeh.

Sie sehen selbst, eine hoch komplexe Geschichte… Aufgrund verschiedenster Ursachen kann es zu einer Störung im Neurotransmitter-Haushalt kommen. So kann es zu einer Über- oder Unterversorgung von einzelnen Botenstoffen kommen. Die aussendende Stelle kann zu viele Botenstoffe auf den Weg schicken, oder die annehmende Stelle plötzlich die Annahme verweigern. Es kommt zu einer Störung, die aufgrund der Komplexität der Hirnstoffwechsel-Prozesse, in einer Erkrankung enden kann.
Fast immer mit körperlichen Symptomen.

Es gibt Ärzte, die vertreten die These, dass selbst Erkrankungen wie Fibromyalgie oder sogar Krebs, auf die, auf übermäßigen Stress zurückzuführenden Veränderungen im Hirnstoffwechsel, zurückzuführen sind. Nun gibt es, grob gesagt, drei Gruppen von Antidpressiva. Eine die Störungen im Neurotransmitter-Haushalt behebt, eine die auf die aussendenden Stellen und eine weitere Gruppe, die bei der Andockstelle ansetzen. Welche dieser drei Arten von Medikamenten geeignet ist, kann man eigentlich nur durch ausprobieren herausbekommen. Deshalb kann es bei der Einstellung auf ein Medikament auch tatsächlich passieren, dass dieses einfach nicht wirkt und ein anderes Präparat benutzt werden muss. Aber keine Angst Sie werden nicht zum Versuchskaninchen Ihres Arztes. Durch eine gründliche Diagnose weiß er, welcher Botenstoff bei Ihnen aus der Reihe tanzt. Das Medikament, das Ihnen verordnet wurde, ist also in jedem Fall das Richtige. Man muss jetzt praktisch nur noch das Finetuning machen.

Es dauert in der Regel auch meist ein paar Tage bis Wochen, bis die Medikamente wirken. Deshalb kann die Einstellungsphase auf ein neues Medikament, wenn es ganz dumm läuft, mehrere Monate dauern. Muss es aber nicht, bei mir hat ziemlich schnell das erste Medikament gewirkt und mir mein Leben zurück gegeben. Wie bei jedem Medikament, kann es auch bei Psychopharmaka zu Nebenwirkungen kommen. Sollten Sie etwas an sich bemerken, nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Arzt auf und bitten Sie um ein anderes Medikament. Manche dieser Nebenwirkungen treten, wenn überhaupt, nur für eine kurze Zeit auf und verschwinden dann ganz von selbst. Die meisten Medikamente arbeiten jedoch völlig nebenwirkungsfrei. SETZEN SIE MEDIKAMENTE ABER NIE OHNE RÜCKSPRACHE MIT EINEM ARZT AB!!!!

Autor: André Hoek

Top Artikel in Depressionen