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Valencia – Orangen, Paellas und Fiestas

Orangenplantagen soweit das Auge reicht, ab und an unterbrochen von Zitronenbäumchen – Valencia, Hauptstadt der gleichnamigen spanischen Provinz liegt inmitten von üppigen Zitrusplantagen und Reisfeldern. Das ist es auch, woran man spontan bei Valencia denkt: Orangen und Paellas.

Man sitzt in einer Horchateria auf der Plaza de la Reina bei einer köstlichen landesüblichen Erdmandelmilch und beobachtet das geschäftige Treiben der Stadt, von der behauptet wird, dass sie niemals schläft. Dieser Platz und die nahe Plaza Virgen sind die Dreh- und Angelpunkte der traditionellen Handelsmetropole für Seide, Öl, Keramik und Lederwaren. Hier feiert man Fiestas, trifft sich in den vielen Bars und Coffee-Shops. Die beiden Plätze fungieren auch als Bühne für die berühmten Fallas, die jedes Jahr im März tausende von Touristen in die Hafenstadt am Mittelmeer locken um die „Ninots“ – meterhohe, bunte Pappmachée-Figuren, die riesigen prasselnden Feuer und die brillanten Feuerwerke zu bestaunen und in den Schwaden des Pulverrauchs dann auch noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu entdecken.

Der Blick streift die Kathedrale, die sicherlich das berühmteste Bauwerk der Stadt ist. Ihr Glockenturm Miguelete, von dem man einen herrlichen Blick hat, gilt als Wahrzeichen Valencias. Neben zahlreichen Kunstwerken berühmter Maler und Bildhauer birgt die Kathedrale auch den sagenumwobenen „Heiligen Gral“. Bei einem Bummel durch die Straßen fallen die vielen gut erhaltenen oder restaurierten Fassaden aus den verschiedensten Stilepochen auf. Das absolute Highlight dieser Pracht ist die Fassade des Palacio del Marqués de Dos Aguas, eines Gebäudes, das heute das Museo Nacional de Cerámica González Marti beheimatet. Fassade und Portal des Palacios mit einem fantastischen Szenarium, 1740 renoviert, sind das Werk des genialen Künstlers Hipólito Rovira, der 1765 in einem Irrenhaus starb. Aber auch die Porzellanausstellung ist sehr sehenswert und außerordentlich prunkvoll und korrespondiert mit den Schaufenstern der umliegenden Gassen, in denen man die exclusiven Produkte berühmter Designer bestaunen kann. Eine Shoppingadresse für auserlesenen Geschmack, der hier auch seinen Preis hat.

Etwas volkstümlicher ist das Ambiente rund um den Mercat Central. Valencias Markthalle, 1928 eröffnet, gilt als eine der schönsten Markthallen Europas und bietet auf ca. 8.000 qm eine Gaumenvielfalt, die ihresgleichen sucht. Wer das Flair, die Farben und Gerüche der Waren nicht zum Einkaufen braucht, kann hier seine Einkäufe auch per e-mail tätigen und bekommt die Ware ins Haus geliefert. Nicht nur ein Baudenkmal, sondern auch ein modernes Unternehmen! Ein ebenso sehenswertes Gebäude ist der Mercado de Colón, eine 1916 eröffnete Markthalle, die 2003 im neuen Glanz und alten Stil mit zahlreichen Elementen des spanischen Modernisme wieder eröffnet wurde. Heute beherbergt sie keine Marktstände mehr, sondern Boutiquen, Restaurants und Cafés und hat sich schnell zu einem populären Treffpunkt entwickelt. Aber zurück zum Mercat Central. Gleich gegenüber ist die Lonja, die Seidenbörse, deren Haupttrakt, eine über 17 Meter hohe imposante Säulenhalle, früher dem Seidenhandel diente. Heute finden hier im dekorativen Ambiente der spiralförmigen Säulen Modenschauen, Ausstellungen und andere Events statt. Sonntagvormittags dürfen Briefmarken- und Münzsammler in den dekorativen Räumen ihrer Leidenschaft frönen.

Valencia

Valencia @iStockphoto/Aleksandrs Tihonovs

Aber Valencia wäre nicht für seine Vitalität und Rastlosigkeit bekannt, wenn es sich auf seinen Schätzen von Kulturdenkmälern früherer Zeiten ausruhen würde. Die Valencianos sind eifrig dabei auch das 20. und 21. Jahrhundert für die Nachwelt eindrucksvoll zu dokumentieren. Mit der Ciutat de les Arts i les Ciències, der Stadt der Künste und Wissenschaften, ist ein einzigartiges Ensemble monumentaler futuristischer Gebäude entstanden, in denen nichts so ist wie es mal war. Der Komplex besteht aus 5 Bereichen, dem L’Hemisfèric, einem Planetarium, 3D Kino und Lasershowbereich. L’Umbracle ist ein mit einer kunstvollen mit Pflanzen und Skulpturen renommierter Künstler dekorierten Promende überbautes Parkhaus. Das Museu de les Ciències Príncipe Felipe, ein Museum für interaktives und unterhaltsames Lernen, indem alle wissenschaftlichen Phänomene auf 42.000 qm und in ca. 30 Wissensbereichen aktiv erprobt werden können. Außerdem sind Räume für Sonderausstellungen, Experimentierbühnen und Kongressräume integriert. Das Palau de les Arts und das 2003 eröffnete, gigantische L’Oceanogràfic, ein Unterwasserpark der der größte seiner Art in Europa sein soll, ergänzen den Komplex. Hiermit ist ein Vergnügungszentrum zur Vermittlung künstlerischer und wissenschaftlicher Inhalte, welches weltweit einzigartig ist und Kunst, Wissenschaft und Natur mit Spaß und Unterhaltung verbindet, entstanden.

In den Sommermonaten zieht es Valencianos und Touristen aber auch an den schönen breiten Stadtstrand Playa de la Malvarrosa. Die Avda Neptuno zwischen Hafen und Strand bietet jede Menge guter Restaurants und Bars mit zum Meer gelegenen Terrassen, wo man vorzügliche Meeresfrüchte und Paellas genießen kann. Ein ganz typisches Paella-Paradies allerdings ist das Dorf El Palmar, 15 km südlich der Stadt, inmitten von Reisfeldern und Gemüsegärten, am Ufer des Süßwassersees Albufera, in einem Naturschutzgebiet gelegen. Der Ort besteht fast nur aus Restaurants und Fischerhäusern und ist authentisch für Paellas und das Spezialgericht dieser Gegend „All i Pebre“, ein pikantes Aalgericht. Hier kommt alles fang- und erntefrisch auf den Tisch und man kann während des Essens die speziellen kleinen Boote der Fischer beobachten, die aus dem kleinen, um die Stadt führenden Kanal direkt von ihrer Haustür aus auf den See zusteuern.

Die Lagune Albufera, eines der vier wichtigsten Feuchtgebiete Spaniens, ist nur durch eine Landzunge vom Meer getrennt. Ihr Wasserhaushalt wird durch drei Kanäle zum Mittelmeer reguliert. Tausende von Zugvögeln, ca. 250 Arten, machen hier Station oder nisten regelmäßig hier. Das Feuchtgebiet ist zum Nationalpark und Naturschutzgebiet erklärt worden. Auf der Ostseite des Sees geben das Informationszentrum Racó de l’olla sowie eine ornithologische Station Auskunft über die Besonderheiten dieser Region. Am 4. August feiern die Fischer hier die Fiesta „La imagen de Cristo en la Cruz“. Die Fischerboote formieren sich zu einer Prozession über den See und in der Mitte des Sees werden religiöse Hymnen gesungen.

Beste Reisezeit:Das ganze Jahr. Besondere Termine: Die Fallas vom 15. bis 19. März, Fischerfest am 4. August auf dem Albufera und im Juni/Juli 2007 der American’s Cup!

Text: Edwine Bollmann

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